"Das Kulturerbe in der deutsch-polnischen Grenzregion Oberschlesiens“
Diese Tagung fand in Kooperation mit dem Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit in Gleiwitz statt. Beschreibung des Projekts: Problematik: Oberschlesien war in seiner Geschichte stets ein Grenzgebiet, was in der Neuzeit die Mentalität und die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung beeinflusste. Im 20. Jh. wurde die Region im Zuge der Volksabstimmung nach den sog. Schlesischen Aufständen geteilt. Das Zusammenleben deutscher und polnischer Bevölkerung hat auch in der Mentalität und Kultur seine Spuren hinterlassen, die durchaus beachtenswert sind. Der Lokalpatriotismus und das Interesse für die Geschichte der „kleinen Heimat“ sind bis heute stark ausgeprägt. In der heutigen Woiwodschaft Oppeln ist, neben der Woiwodschaft Schlesien, noch eine beachtliche deutsche Minderheit vertreten, die ihr kulturelles Erbe den künftigen Generationen weitergeben will. Im Hinblick auf die Aufstellung zweisprachiger Ortsschilder wird gegenwärtig in Polen eine öffentlichkeitswirksame Debatte um den Umgang mit der deutschen Geschichte geführt. Die aggressive Polonisierung der Oberschlesier seitens der kommunistischen Behörden (u.a. Verbot des Gebrauchs der deutschen Sprache) führte dazu, dass zahlreiche Angehörige der deutschen Minderheit heute kaum oder gar nicht Deutsch sprechen können. Das beeinflusst auch die sich stets verändernde Identität der Oberschlesier, was sich bspw. bei der letzten Volkszählung von 2002 niederschlug, als mehr Oberschlesier die schlesische Staatsbürgerschaft für sich beanspruchten als die deutsche. Die Frage nach der ethnischen Identität der Oberschlesier lässt sich nicht eindeutig beantworten, weil sich seit Jahrhunderten stets deutsche und slawische Elemente vermischten. Das macht die multikulturelle Prägung der Oberschlesier aus. Die deutsche Minderheit steht vor großen Herausforderungen, wenn sie die deutsche Sprache und Kultur aufrechterhalten und lebendig weitergeben will. In den letzten Jahren sind zahlreiche Fehler begangen worden, die deutsche Kulturpflege ist nicht genügend unterstützt worden. Die neue Führung der deutschen Minderheit versucht bei ihrer Tätigkeit, die Sprach- und Kulturpflege stärker zu akzentuieren. Zielsetzung: Mit der mehrtägigen Veranstaltung soll aufgezeigt werden, wie sich Grenzlage und kultureller Austausch verbinden. Dabei wird der Geschichte, Volkstradition und Kulturpflege nachgegangen. Dabei soll vordergründig die Frage untersucht werden, wie das Zusammenleben von Deutschen und Polen vor Ort ausschaut. Insbesondere soll eine Bestandsaufnahme der Situation der deutschen Minderheit vor dem Hintergrund der Pflege des deutschen Kulturguts gemacht werden. So soll die Fragestellung zur Debatte stehen, vor welchen Problemen der deutsche Sprachunterricht an Schulen steht und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um diese Situation zu optimieren. Hier ist es von Interesse zu analysieren, wie das deutsche historische Kulturerbe tradiert und gelebt wird. Des Weiteren soll erörtert werden, wie sich das Zusammenleben von Polen und Deutschen vor Ort gestaltet und wie beide Seiten mit ihrer regionalen Identitätspflege umgehen. Auch von Bedeutung sind die Kontakte der Oberschlesier in die Bundesrepublik. Da zahlreiche Schlesier mit deutschem Hintergrund aus dieser Region als sog. Aussiedler insbesondere in den 1970er und 1980er Jahren in die Bundesrepublik eingewandert sind, unterhalten sie weiterhin enge Kontakte mit der hiesigen Lokalbevölkerung, was sich auch in deren Mentalität auswirkt. Schließlich soll auf die Identität der Oberschlesier eingegangen werden. Es soll erörtert werden, ob die Bestrebungen oberschlesischer Gruppierungen (Autonomiebewegung) auf unterschiedlichem national-ethnischem und kulturellem Fundament begründet sind. Die Tagungsteilnehmer sollen mit der Geschichte und regionalen Tradition vertraut gemacht werden, damit sie den kulturellen Hintergrund besser verstehen.
Durchführung: Die Veranstaltung ist eine populärwissenschaftliche Tagung mit deutsch-polnischem Begegnungscharakter, in der die Teilnehmer durch Impulsreferate an die Fragestellungen herangeführt werden. Sie ist zusammen mit An- und Abreise auf vier Tage angelegt. Der erste Tag dient zunächst zum gegenseitigen Kennenlernen der Teilnehmer aus Polen und Deutschland. Danach werden im ersten Teil der Tagung Referenten aus der Bundesrepublik Deutschland und aus Polen zu unterschiedlichen Aspekten sprechen, die die Bereiche: Geschichte, Kultur, Volkstradition, Religion, deutsch-polnische Beziehungen und regionale Initiativen abdecken. Anschließend wird es Gelegenheit zu Diskussionen und Austausch geben. Der zweite Teil der Tagung ist praktischer Natur und wird in Form vertiefender Workshops der Teilnehmer statt finden. Der dritte Tag wird durch eine thematische Exkursion in die Region bestimmt sein, zu der unter anderem eine Führung entlang der alten deutsch-polnischen Grenze gehört. Zum Abschluss des Tages wird es eine Podiumsdiskussion geben, in der Vertreter lokaler Gruppen über die Situation und Probleme der Region sprechen werden. Ausklingen wird die Tagung durch einen gemeinsamen Messebesuch und eine Abschlussdiskussion. PROGRAMM
Donnerstag, 10. Juni 2010
Bis 18.00 Uhr: Anreise der Teilnehmer. Abendessen Gegen 20.00 Uhr: Begrüßung, Einführung, Vorstellungsrunde. Gemütliches Beisammensein
Freitag, 11. Juni 2010
Teil I: Oberschlesien: Land und Leute (unter besonderer Berücksichtigung der Tagungsregion) Referatsteil – kursiv: Referenten): 09.00 – 09.15 Uhr Kurzeinführung in die Problematik. Vorstellung des Themas und der Vorgehensweise (Einführendes Impulsreferat) – Dr. Gregor Ploch, Ratingen
09.15 – 10.45 Uhr Das deutsch-polnische Grenzgebiet in seiner Geschichte unter besonderer Berücksichtigung des 20. Jh. – Eine Podiumsdiskussion: Dr. Mirosław Sikora (Kattowitz), Dawid Smolorz (Gleiwitz) Moderation: Dr. Gregor Ploch (Ratingen) 10.45 Uhr – 11.00 Uhr Pause
11.00 Uhr – 12.00 Uhr Die Tätigkeit deutscher Verbände heute: • „Die deutsche Studentenverbindungstradition in Oberschlesien“ – Silvia Michala (Oppeln) • „Die Tätigkeit des Hauses der deutsch-polnischen Zusammenarbeit“ – Rafał Bartek (Gleiwitz) 12.00 Uhr – 13.30 Uhr Mittagessen, Mittagspause
13.45 Uhr – 15.15 Uhr Deutsche, Pole oder Schlesier? Zum Nationalitäts- und Identitätsproblem der Oberschlesier Es diskutieren: Daniel Brzeszcz (Warschau), Rafał Bartek (Direktor des Hauses der deutsch-polnischen Zusammenarbeit, Gleiwitz); Dr. Jerzy Gorzelik (Vorsitzender der Bewegung für die Autonomie Schlesiens, Kattowitz), Rafał Orestes Janowski (Vorsitzender des Schlesischen Verbandes der europäischen Grundrechte, Kattowitz), Józef Buszman (Vorsitzender des Oberschlesischen Verbandes, Kattowitz) Moderation: Dr. Gregor Ploch (Ratingen) 15.15 Uhr – 15.30 Uhr Pause
Teil II: Praktischer Teil
15.30 Uhr – 19.00 Uhr Vertiefende Workshops der Teilnehmer. Themen: Oberschlesien als Grenzgebiet, Einfluss unterschiedlicher Kulturen, oberschlesische Identität – Pole, Deutscher, Oberschlesier? Trainer: Magdalena Mazik-Gorzelańczyk (Breslau).
19.00 Uhr Abendessen Abends mögliches Rahmenprogramm
Samstag, 12. Juni 2010
09.00 – 15.00 Uhr „Im deutsch-polnischen Grenzgebiet Oberschlesiens“ Landeskundlich-historische Exkursion mit thematischer Bestandsaufnahme vor Ort und Vertiefung des Programms. Besichtigung mehrerer Stationen in der Umgebung von Gleiwitz (ganztägig). Themen: „Entlang der früheren deutsch-polnischen Grenze“ sowie „Auf den Spuren bekannter Persönlichkeiten in Gleiwitz und Umgebung“. Der Umgang mit der lokalen Geschichte und Kultur in der Gegenwart wird vor dem Hintergrund der deutsch-polnischen Begegnung beleuchtet. Reiseleitung: Dawid Smolorz (Gleiwitz)
18.00 Uhr Abendessen 19.00 Uhr – 21.00 Uhr: Die kulturell-politische Tätigkeit regionaler und ethnischer Gruppierungen in Oberschlesier. Eine Podiumsdiskussion. Es diskutieren: Anna Olszańska (Vorsitzende des Verbandes der Armenier in Polen, Gleiwitz), P. Janusz Śliwa (Direktor des Begegnungszentrums „Theotokos“, Gleiwitz) sowie Dr. Jerzy Gorzelik (Vorsitzender der Bewegung für die Autonomie Schlesiens, Kattowitz). Moderation: Dr. Gregor Ploch (Ratingen), Dr. Christine Kucinski (Münster)
Sonntag, 13. Juni 2010 08.30 Uhr Frühstück 09.30 - 10.30 Uhr: Gottesdienst 11.00 - 12.00 Uhr: Resümee und Abschlussdiskussion 12.00 Uhr: Mittagessen und Abreise der Teilnehmer Ort: Zentrum für Bildung und Dialog "Theotokos" ul.Kopernika 63a, 44-100 Gliwice, Polen Tel./Fax +48 32 279-29-49
Die Gemeinschaft für deutsch-polnische Verständigung dankt den Förderern dieser Tagung:

Gefördert aus Mitteln der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit Projekt wspierany przez Fundację Współpracy Polsko-Niemieckiej Der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien
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