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gdpv-Forum I/2008 in Habelschwerdt (24. bis 27. April 2008) "Zwischen Böhmen, Deutschland und Polen. Das Glatzer Land im kulturellen Grenzgebiet." Die im südlichen Teil des Glatzer Landes gelegene Stadt Habelschwerdt (Bystrzyca Kłodzka) war der Veranstaltungsort der diesjährigen Frühjahrstagung der Gemeinschaft für deutsch-polnische Verständigung (gdpv). Die gdpv ist eine Jugendorganisation, zu deren Zielen es gehört, die junge Generation für die Geschichte und Kultur Schlesiens zu begeistern und sich mit den deutsch-polnischen Beziehungen auf der Basis der christlichen Verständigung auseinander zu setzen. Sie veranstaltet mehrmals im Jahr Tagungen an verschiedenen Orten Nieder-, Ober- und Mährisch-Schlesiens und geht auch landeskundlichen Gegebenheiten und Traditionen der jeweiligen Teilregion nach. Die diesjährige Frühjahrstagung fand vom 24. bis 27. April unter dem Thema „Zwischen Böhmen, Polen und Deutschland. Das Glatzer Land im kulturellen Grenzgebiet“ statt. Über 50 Personen aus Deutschland und Polen, darunter zahlreiche junge Menschen, folgten der Einladung nach Habelschwerdt. Nach einer umfangreichen Vorstellungsrunde am ersten Abend begann der folgende Vortragstag mit einer thematischen Einführung vom Kulturreferenten für Schlesien am Schlesischen Museum zu Görlitz, Dr. Michael Parak, zur geographischen Lage und historisch-kulturellen Prägung des Glatzer Landes. Anschließend stellte Julian Golak die in Glatz seit der politischen Wende von 1989/90 herausgegebene dreisprachige Zeitschrift „Glatzer Bergland“ vor. Als Ergänzung dazu referierte der im niederschlesischen Landtag tätige Prof. Lesław Koćwin über die polnische und tschechische Lokalbevölkerung in der „Euroregion Glaciensis“, zu deren Mitbegründern er zählt. Das Glatzer Land erfuhr seine größten Umbrüche im 20. Jahrhundert. Nach der Flucht und Vertreibung der Deutschen und der Ansiedlung von Polen, die im größten Maße aus der Lemberger Umgebung kamen, wurde die lokale Bevölkerung durch Neuankömmlinge nahezu komplett ersetzt. Damit verbunden ist der Verlust des Kulturguts, da die neuen Bewohner des Glatzer Landes die deutschen Bräuche, Traditionen und die Mundart nicht übernommen haben. Insbesondere die aus Ostpolen geströmten Neusiedler rechneten jahrzehntelang stets mit der neuerlichen Vertreibung, so dass eine Integration und Identität mit der Region unmöglich war. Gleiches Schicksal erlitten die Nordböhmen jenseits der Grenze. So wurde das Grenzgebiet auf beiden Seiten von Neubürgern bewohnt, die mit der Region und mit der Nachbarbevölkerung nicht verbunden waren. Da die sozialistische „Friedensgrenze“ äußerst streng bewacht war und das Glatzer Land militarisiert wurde, entfremdeten sich die Polen und die Tschechen voneinander. Auch heute gestaltet sich die Annäherung beider Völker sehr schwierig. Erstaunlicherweise sind deutsch-polnische Begegnungsmaßnahmen viel fruchtbarer und zahlreicher als beispielsweise polnisch-tschechische Kontakte. Julian Golak deutet diesen Umstand mit mangelnder Kommunikationsebene. So hätten Bildung und Kultur im Glatzer Land heute einen großen Stellenwert, während Nordböhmen überwiegend von der Arbeiterschaft geprägt sei. Hierbei sei es schwierig, eine gemeinsame Sprache zu finden. Dennoch gehen beide Völker aufeinander zu. So steigt etwa die Anzahl von polnisch-tschechischen Schulaustauschprogrammen. Projekte wie die dreisprachige Zeitschrift „Glatzer Bergland“ sind jedoch ein Beweis dafür, dass das Interesse am tschechischen und deutschen Nachbarn wächst, auch wenn es langsam vorangeht. Einen ausführlichen Überblick über die Geschichte des Glatzer Landes gab die in Breslau lehrende und für Publikationen über die Region bekannte Dr. Małgorzata Ruchniewicz. So wurde den Teilnehmern verdeutlicht, dass das Glatzer Land durch religiöse Auseinandersetzungen erheblich beeinflusst worden ist. Hussitenkriege, Reformation und Gegenreformation haben die Region und die Bevölkerung stark geprägt. Vergleichsweise kurz ist dagegen die polnische Geschichte des Glatzer Landes, die erst 1945 ansetzt. Ein nicht zu wegzudenkender Aspekt der Geschichte des Glatzer Landes ist der (Kur-) Tourismus, der sich seit dem 19. Jahrhundert zu einem Massenphänomen entwickelt hat, die Region aber schon früher geprägt hatte. Hierüber referierte Dr. Thomas Przerwa von der Breslauer Universität, ein Experte auf diesem Gebiet, der sich auf die Touristikgeschichte des Glatzer Landes spezialisiert hat. Mit zahlreichen Bildern und Photographien konnte er die Entwicklung dieses für die Region so wichtigen Sektors untermauern. Zum Abschluss präsentierte Dr. Gregor Ploch (Ratingen) den Tagungsteilnehmern einige Legenden und Mythen aus dem Glatzer Land. Die Tagung wurde von einer ganztägigen Exkursion durch das Glatzer Land und die böhmische Nachbarregion umrahmt. Durch die exzellente Gestaltung seitens der Mitarbeiter des Oberschlesischen Landesmuseums zu Ratingen (Hösel), Dr. Stephan Kaiser und Milena Iskrzycka, konnten sich die Tagungsteilnehmer ein Bild von der Vielseitigkeit und Schönheit der Region machen. Exkursionsziele waren die Schlossanlage in Grafenort, die Kirche in Rengersdorf, die Stadt Glatz, der Wallfahrtsort Albendorf sowie das Benediktinerkloster im böhmischen Braunau. Zur Verdeutlichung der Kurregion wurde auf dem Rückweg der Kurort Altheide angefahren. Abends kam es zu einer Diskussionsrunde mit Vertretern der lokalen Bevölkerung von Habelschwerdt. So kann seit einigen Jahren die Tendenz festgestellt werden, dass sich die Bewohner immer stärker für die Geschichte ihrer „kleinen Heimat“ interessieren. Auch wenn die meisten Familien erst nach 1945 in die Region gekommen sind, können sie sich dennoch mit der Vorkriegsgeschichte identifizieren und als die eigene betrachten. Der Umgang mit deutschen Spuren gehört heute zur Selbstverständlichkeit und wird gerne erforscht. Dennoch müssen die Glatzer strukturelle Probleme bewältigen, wozu etwa die Erwerbsmigration gehört. Viele junge Menschen wandern auf der Suche nach Arbeit ins Landesinnere oder ins Ausland aus, so dass alle Gemeinden starken Bevölkerungsrückgang beklagen. Andererseits versucht man, den Bildungs- und Tourismusbereich noch stärker zu positionieren, um zahlungswillige Gäste zu locken und Arbeitsplätze zu schaffen. Während der Tagung konnte auch das christliche Fundament der gdpv gebührend zum Vorschein kommen. Dank der geistlichen Begleitung begann jeder Tag mit dem Morgenlob; am Sonntagmorgen feierten die Tagungsteilnehmer den Gottesdienst in der Habelschwerdter Pfarrgemeinde. Die Organisatoren danken dem Bundesministerium für Inneres für die finanzielle Unterstützung, ohne die die Ausrichtung der Tagung nicht möglich gewesen wäre. Dr. Gregor Ploch gdpv-Forum II/2005 in Jauernick bei Görlitz (27.-30. Oktober 2005) Die katholische Kirche im Nationalsozialismus In ihrer traditionellen Herbsttagung versammelte sich die Gemeinschaft für deutsch-polnische Verständigung (gdpv) Ende Oktober wiederum in Jauernick bei Görlitz, um sich einem delikaten Thema zu widmen. Das Verhalten der katholischen Kirche gegenüber dem Naziregime bildet schon seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts ein kontroverses Betätigungsfeld nicht nur für Historiker. Aktualität bekam die Thematik durch die jüngste Seligsprechung des Münsteraner Oberhirten, Clemens August Kardinal Graf von Galen in diesem Oktober. Kardinal von Galen war wohl die markanteste Persönlichkeit des deutschen Katholizismus während der Kriegszeit, da er sich mutig und offen gegen die NS-Praktiken aussprach. Vor diesem Hintergrund sollte in der gdpv-Tagung die Lage der katholischen Kirche in Deutschland und in Polen beleuchtet werden. Ausgehend von der Leitfrage, ob und inwieweit die Kirche in diesen Räumen Widerstand leistete, wurde auf die Auseinandersetzung der Bischöfe mit der Situation in ihrer Region fokussiert, ohne dabei die Kirche an der Basis aus dem Blick zu verlieren. So präsentierte Thomas Flammer (Münster) das seelsorgliche Modell der Wandernden Kirche, die ihren Ursprung unter Bischof Maximilian Kaller in Ermland nahm und sich binnen weniger Jahre auf das ganze Reichsgebiet ausdehnte. Die katholische Kirche im Deutschen Reich war von dem Problem geplagt, dass viele in der Volkskirche aufgewachsenen Gläubigen durch staatlich gelenkte Binnenwanderung ihrer gewohnten Umgebung entrissen wurden. In den Jahren 1934-43 waren davon immerhin ganze 6,5 von rund 33 Mio. Katholiken betroffen. Die katholische Kirche war daher um neue seelsorgliche Konzepte bemüht, um die größtenteils jungen katholischen Migranten erreichen zu können. Dieses Seelsorgemodell, das auf die Mobilität der Gläubigen setzte, hat bisher zu wenig Beachtung in der wissenschaftlichen Literatur gefunden, obwohl es pastoral und soziologisch gesehen große Spuren hinterließ, da die gesammelten Erfahrungen nach dem Krieg etwa in der Vertriebenenpastoral umgesetzt werden konnten. Die Deutsche Bischofskonferenz Prof. Dr. Joachim Kuropka (Vechta) untersuchte in seinem Referat die Lage innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz, die anders als die protestantische Kirche eine Spaltung vermeiden konnte. Die deutschen Katholiken bildeten dabei eine benachteiligte Minderheit im Volk (rund ein Drittel). Alleine gegen den deutschen Klerus verhängte das NS-Regime rund 38000 Maßnahmen. Die Kirche stellte für die Nazis eine ungeheure Bedrohung dar, da sie zwar keine politische Einrichtung darstellte, den ideologischen Totalitätsanspruch der Machthaber jedoch vollends ablehnte und somit deren Legitimität in Frage stellte. Prof. Kuropka stellte fest, dass man die Bischofskonferenz nicht als eine einheitliche Größe ansehen dürfe, die mit einer Stimme hätte sprechen können. Die Lage sah in jedem Bistum anders aus, und die Bischöfe standen unter ständiger Bedrohung. Jeder von ihnen versuchte auf seine Weise, seinen Klerus und die Gläubigen zu beschützen, um den Katholiken überhaupt Seelsorge gewährleisten zu können. Während die einen – wie z.B. Bischof von Galen – auf offenen Konfrontationskurs setzte, versuchten andere, durch Verhandlungen und diplomatische Schritte günstigere Lebensbedingungen für die Kirche zu schaffen. Bischöfliche Seelsorge im Krieg Wie bischöfliche Seelsorge im Krieg konkret aussehen konnte, berichtete Dr. habil. Rainer Bendel (Tübingen), der den ermländischen Bischof Maximilian Kaller mit dem Vorsitzenden der Fuldaer Bischofskonferenz, dem Breslauer Erzbischof Adolf Kardinal Bertram, verglich. Wie auch im vorherigen Referat wurde auch hier verdeutlicht, dass die Kirche nicht von einem einheitlichen seelsorglichen Modell, sondern von der Pluriformität ausgeht, sich also durch unterschiedliche Konzepte auszeichnet. Für Kardinal Bertram, der in der Zeit des Kulturkampfes aufgewachsen und von ihr beeinflusst war, konnte die Stärke und Überlebensfähigkeit der Kirche als Heilsanstalt nur durch ihre feste hierarchische Struktur gewährleistet werden. Der Kirche und dem Papst als Garant der Ordnung musste treuer Gehorsam entgegen gebracht werden. Das Kirchenbild Bertrams war in seinen häufigen pastoralen Schreiben von militärischem Kampfesmut geleitet. Anders der viel jüngere Maximilian Kaller. Dieser konnte sich noch als Breslauer Diözesanpriester mit seiner Großstadtseelsorge in Berlin auszeichnen, der sein Erzbischof, Kardinal Bertram, mit großer Sympathie begegnete. Davon beeinflusst, ging Kaller als Bischof von Ermland in seinem pastoralen Konzept von der Familie und den Pfarreien als Stütze des Glaubens aus. Während des Krieges wollte er sein Bischofsamt aufgeben und als KZ-Geistlicher den Menschen in ihrer nötigsten Stunde beistehen. So schickte Kaller 1942 ein solches Ansuchen an Nuntius Orsenigo nach Berlin, der diese Bitte jedoch ablehnte, da die Neubesetzung des Bischofsstuhles wahrscheinlich nicht hätte erfolgen können. Kirche im besetzten Polen Dem gegenüber stellte Gregor Ploch (Wien) die Situation der katholischen Kirche im besetzten Polen dar. Auch dort sah die Lage in den jeweiligen Gebieten unterschiedlich aus. Am schlimmsten hatten es die Katholiken im westlichsten der besetzten polnischen Territorien, dem „Reichsgau Wartheland“, der als ein Mustergau für die nationalsozialistische Kirchenpolitik in allen zu erobernden Gebieten ein Experimentierfeld darstellte. Der Kampf gegen die Bistumsleistung, gegen den Klerus und schließlich gegen die polnische Intelligenz, der in diesem Dreischritt überall angewendet wurde, verlief im Warthegau besonders brutal. Überall in Polen wurden Kirchen geschlossen und die Seelsorge völlig behindert, so durch zahlreiche Verhaftungen oder durch das Verbot der Beichte in polnischer Sprache. Von den rund 10.000 tätigen Priestern bei Kriegsausbruch kam jeder fünfte in Konzentrationslagern um, und jeder zweite Diözesan- bzw. Weihbischof konnte sein Amt nicht mehr ausüben. Bei Kriegsende glich die katholische Kirche Polens einem Scherbenhaufen, so dass von einem offenen Widerstand nicht die Rede sein konnte. Zu einer Autorität der Kirche Polens wurde der Krakauer Kardinalerzbischof Adam Stefan Fürst Sapieha, da er anders als Primas August Kardinal Hlond seine Diözese nicht verlassen hatte und gegen die Maßnahmen der Nazis protestieren konnte. Dass Kardinal Sapieha jedoch im Amte belassen wurde, ging auf die Kirchenpolitik des Generalgouverneurs Frank zurück, der eine halbwegs intakte Kirche als nützlichen herrschaftsstabilisierenden Faktor betrachtete. Filmische Darstellung Katarzyna Golab-Schafrik (Hamburg) versuchte, die Tagungsteilnehmer durch die Rezension und Präsentation des Films „Der neunte Tag“ in das Geschehen mit hineinzuziehen. Regisseur Volker Schlöndorff griff als Vorlage das Buch „Pfarrerblock 25487“ auf, das sich auf das Tagebuch des luxemburgischen Priesters Jean Bernard stützte, der Häftling im KZ Dachau gewesen war. Gedreht wurde der Film zwischen 1996 und 2004 in Prag, Luxemburg und München. Der Geistliche, im Film unter dem Namen Abbé Henri Kremer (gespielt von Ulrich Matthes), bekam während seines Aufenthaltes im Konzentrationslager neun Tage Heimaturlaub, doch was er in dieser Zeit tat, gibt es keine Überlieferung. Diese Lücke griff nun der Regisseur auf, um eine fiktive Geschichte zu erzählen. So muss sich Kremer jeden Tag bei der Gestapo melden und erfährt dort den Grund seines Urlaubs. Ihm und seinen mitgefangenen Priestern wird die Freiheit versprochen, wenn er seinen Bischof dazu überredet, mit den Nazis zu kollaborieren, was Kremer nach quälend langen Gewissensnöten jedoch ablehnt. Der Film soll weniger eine Geschichte erzählen, sondern den Zuschauer mit den dort dargestellten verschiedenen Grundpositionen der Hauptdarsteller konfrontieren und ihn vor die Frage stellen, wie er sich in einer ähnlichen Situation, in der es womöglich um Leben und Tod ginge, verhalten würde. Kunst und Widerstand Im abschließenden Referat zeigte Tobias Schrörs (Coesfeld) anhand von sakraler Kunst und Musik im Bistum Münster, wie in einzelnen Gemeinden ein mehr oder weniger versteckter Widerstand gegen das Naziregime praktiziert und eine klare christliche Positionierung eingenommen wurde. Dazu gehörte die Verbreitung des Christus-König-Motivs in Kunst und Frömmigkeit oder augustinsche Rekurrierungen auf den Gottesstaat, die eine klare Absage an den Führerkult waren. Sehr prägnant war dabei die verstärkte Zentralisierung des Kreuzes, von dem der glorreiche und in Herrscherpose dargestellte siegende Christus strahlend herabblickte. Auch das konstantinische Element des Kreuzes als dem Zeichen, unter dem der Sieg errungen wird, verdeutlichte die Ablehnung des Totalitätsanspruchs der Nationalsozialisten. Aussagekräftig waren dabei Todesanzeigen von deutschen Soldaten, die unter Einbezug von christlichen Symbolen aussagten, dass der Verstorbene für Gott und Vaterland, nicht aber für den Führer, gefallen ist. Abschließende Eindrücke Um sich das historische Zeugnis der Jauernicker Umgebung bewusst zu werden, nahmen sich die Teilnehmer einen ganzen Tag Zeit, um unter der exzellenten Führung von Thomas Maruck (Görlitz) die Europastadt Görlitz-Zgorzelec von beiden Seiten kennen zu lernen. Die Stadt, die während des Zweiten Weltkrieges abgesehen von der Stadtbrücke überhaupt nicht zerstört oder beschädigt worden ist, hat bis heute Spuren von ihrer Geschichtsträchtigkeit behalten. Dank der Renovierung des deutschen Teils der Stadt nach der Wende konnte so wertvolles kulturelles Erbe aufrechterhalten werden. Im Ganzen konnte den Teilnehmern deutlich werden, dass die katholische Kirche sowohl in Deutschland wie in Polen bemüht war, die Seelsorge im Rahmen des Möglichen aufrechtzuerhalten und die Gläubigen vor Repressalien zu beschützen. Dabei kann man keine pauschalen Urteile fällen, sondern man muss stets die jeweilige Situation vor Ort berücksichtigen, da es unmöglich ist, von der Kirche als einer einzigen und einheitlichen Größe zu sprechen. Gregor Ploch Programm des Schlesien-Forums II/2005 Teilnehmer des Schlesien-Forums II 2005 gdpv-Forum I/2005 in Neisse Program zum gdpv-Forum I/2005 in Neisse Teilnehmer des Schlesien-Forums II/2005 gdpv-Forum II/2004 in Jauernick bei Görlitz Teilnehmer des gdpv-Schlesien-Forum II/2004 Das Bild der „anderen“ Seite im deutschen und polnischen Film Das gdpv-Schlesien-Forum beschäftigte sich mit dem Bild der Polen im deutschen Film und der Deutschen im polnischen Film. Bereits zum zwölften Mal trafen sich die Mitglieder und Freunde der Gemeinschaft für deutsch-polnische Verständigung (gdpv) bei der traditionellen Herbsttagung in Jauernick bei Görlitz. Diesmal wurde die Fragestellung erörtert, ob der Film des 20. Jahrhunderts beiderseitig der Oder und Neiße bestimmte Bilder oder Vorurteile gegenüber dem Nachbar aufbaute und propagierte. So stellte Prof. Eugeniusz-Cezary Król (Berlin) in seinem Vortrag über das Bild der Deutschen in der Geschichte des polnischen Films fest, dass in den über Eintausend gedrehten Filmen mit deutscher Thematik mehr als die Hälfte vom Zweiten Weltkrieg handeln, wobei die Unmenschlichkeit der Faschisten auf das Martyrium des polnischen Volkes trifft und dieses glorifiziert. Anhand einiger ausgewählter Fragmente verdeutlichte Prof. Król das zur Zeit des Kommunismus dominierende Feindbild von Deutschen, welches in vier Momenten dargestellt wurde: dem Deutschen Orden, den Sachsen, den Preußen und schließlich den Nationalsozialisten. Demgegenüber stellte Dr. Christiane Mückenberger (Potsdam) fest, dass die Polenthematik im deutschen Film, insbesondere in der DDR eher zurückhaltend entfaltet wurde. Insbesondere in der Zeit der politischen Unruhen gab es diesbezüglich einen Stillstand. Doch wurden trotzdem Versuche unternommen, das Interesse der Ostdeutschen für ihr Nachbarland zu bekunden, was durch einige DEFA-Filme gezeigt wurde. Prof. Andrzej Gwózdz (Kattowitz) referierte über die Geschichte der Entwicklung des Kinos in Oberschlesien, welches in die 20er Jahre zurückreicht. Schon die Schlesischen Aufstände und die Volksabstimmung wurden dazu genutzt, Propagandamaterialien in den Kinos zu verbreiten, um die jeweilige Bevölkerung zu beeinflussen. Bis zum Ausbruch des Krieges wurde sehr oft das Leben im Industriegebiet als Motiv gewählt, um dem Kohlerevier ein menschliches Antlitz einzuhauchen. Der schlesische Filmemacher Josef Cyrus (Leverkusen), der Ende der 80er Jahre nach Deutschland übergesiedelt ist, berichtete von seinen schwierigen Erfahrungen, die er in den unruhigen Zeiten des Kriegsrechts 1981/82 und darüber hinaus gesammelt hatte. Ein wirkliches Bild Schlesiens im polnischen Film zu vermitteln, war damals so gut wie unmöglich, denn die Zensur ließ nur ideologisch „korrekte“ Streifen zu. So konnte Cyrus nur unterschwellig versteckte Botschaften anbringen, indem er beispielsweise eine in der Nähe von Leobschütz lebende deutschstämmige Schlesierin im unüberhörbar schlechten Polnisch über die Probleme des ländlichen Lebens berichten ließ. Und auch in weiteren Dokumentarfilmen, die sich der dörflichen Realität widmeten, kamen unausgesprochene Andeutungen über die Existenz von Deutschen in Schlesien vor. Eine Dokumentation über den Wiederaufbau der Stadt Neiße durfte die deutsche Geschichte und die Aufbausünden der Kommunisten nicht offen zu tage fördern, doch auch hier gelang es dem Autor, diese Probleme und die positive Rolle der deutschstämmigen Geistlichkeit anzudeuten. Ute Badura (Berlin) zeigte in ihrem vor zwei Jahren fertiggestellten Film „Schlesiens Wilder Westen“ den Weg der Vertreibung und Versöhnung in der Geschichte des Dorfes Seifershau bei Hirschberg im Riesengebirge. Darin berichten heimatvertriebene Deutsche sowie heimatvertriebene Ostpolen, die dort angesiedelt wurden, von ihrer Geschichte. Die Deutschen fahren seit Jahren dorthin, um ihre alte Heimat zu besuchen. Dabei sind herzliche Freundschaften mit der jetzigen Bevölkerung entstanden. Dieser Film, der schon mehrmals in beiden Ländern vorgeführt wurde, wird sowohl von Polen wie von Deutschen als sehr gelungen bezeichnet, da er frei von Vorurteilen ist und sich um echte Verständigung bemüht. Eine ähnliche Thematik griff Henryk Skudlik (Landsberg/Lech) in seinem Film „Eine Reise nach damals“ auf, der von seinem Besuch mit mehreren Freunden in Polen - unter ihnen ein polnischstämmiger amerikanischer Jude - handelt. Die Gruppe besuchte nicht nur Schlesien, sondern auch geschichtsträchtige Städte wie Lodz, Krakau, Auschwitz und Radom. Katarzyna Golab-Schafrik (Hamburg) nahm sich der tiefgehenden Bildersymbolik an, welche der von einigen Jahren erschienene Film „Lichter“ aufgreift. Darin werden Einzelschicksale von Deutschen, Polen und Ukrainern erzählt, welche sich im Grenzgebiet von Frankfurt/Oder und Berlin verknüpfen. Das Motiv der Grenze und der Lichter verweist nicht nur auf die politische Lage, sondern verdeutlicht vielmehr die noch vorhandene menschliche Barriere, die erst langsam abgebaut werden kann. Der Film ermöglicht eine Identifikation mit den Akteuren, die trotz Schicksalsschläge und erlittener Wunden stets nach einem leuchtenden Ziel streben, für die deutsch-polnische Verständigung eine bedeutende Symbolik. Abgerundet wurde die Tagung durch Filmvorführungen von namhaften Regisseuren wie Klaus Emmerich („Die erste Polka“), Lech-Janusz Majewski („Angelus“) oder Kazimierz Kutz („Wendehals“) sowie zahlreichen Diskussionen, zu denen die Präsentationen animierten. Als sehr produktiv erwies sich der Umstand, dass auch die polnische Sprache in den Filmen wie der Diskussion zum Vorschein kommen konnte, was die gdpv in ihrer Zielsetzung, nämlich der Verständigung sehr begrüßt. Die gdpv möchte in Zukunft weiterhin das Thema der Nachbarschaft und der Verständigung beider Völker in den Vordergrund ihrer Tagungen stellen. Ein besonderer Dank geht an die Beauftragte der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien (BKM), welche die Finanzierung des Forums großzügig unterstützte. Gregor Ploch
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