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Rezension Via Silesia 2 PDF Drucken E-Mail

Wer sich mit der Oberschlesienforschung beschäftigt, kommt nicht an der Frage nach der ethnisch-nationalen Identität der Bewohner dieser Region vorbei. Dabei lässt sie sich nicht bloß auf deutsche bzw. polnische Stämmigkeit eingrenzen. Oberschlesien ist so unterschiedlich geprägt worden, dass die Bevölkerung je nach Teilregion eine eigene und bestimmte Mentalität aufgebaut hat. Der vielfältige Einfluss verschiedener Kulturen und Konfessionen bereicherte Oberschlesien, brachte aber auch in der jüngeren Geschichte zahlreiche Konflikte und Spannungen mit sich, die sich insbesondere im 20. Jh. entladen haben. Die Vertreibung der Deutschen und die in mehreren Phasen verlaufene Ansiedlung zentral- und ostpolnischer Bevölkerung in der Region führten zu soziologischen Veränderungen innerhalb der Bevölkerung. Die Identitätssuche gehört heute zu heiß diskutierten Themen in Oberschlesien, sie betrifft auch die zahlreiche Gruppe der Aussiedler aus Oberschlesien (im Volksmund „Spätaussiedler“ genannt) in der Bundesrepublik.

Bei der Suche nach der ethnisch-nationalen Identität der Oberschlesier verspürt man heute noch die alte preußisch-österreichische Grenze. Die Bewohner der Teschener Region (sog. „Teschener Schlesien“), welche von der historischen Forschung bedauerlicherweise vernachlässigt wird, unterstreichen die Zugehörigkeit zu ihrer kleinen Heimat, indem sie sich vom „preußischen“ Oberschlesien distanzieren. Im übrigen Teil sieht es je nach Region unterschiedlich aus. Das Ratiborer Umland ist mährisch geprägt. Die Bewohner der Oppelner Woiwodschaft, die von der deutschen Minderheit am meisten geprägt ist, haben ihre Distanzierung vom oberschlesischen Industrierevier während der Verhandlungen um die Verwaltungsreform von 1997 sehr deutlich artikuliert. Häufig hört man von den Oberschlesiern, dass sie sich nicht als Polen, nicht als Deutsche, sondern als (Ober-)Schlesier fühlen. Was damit genau gemeint ist, bildet bis heute den Kern heißer Debatten. Die Frage danach, was das Schlesier-Sein ausmacht, kann jedoch nicht beantwortet werden, weil das Verständnis je nach Teilregion unterschiedlich ausfällt. Dieser Umstand macht die Oberschlesienforschung jedoch so spannend.

Die vorliegende Publikation ist das Ergebnis zweier deutsch-polnischer Tagungen, die 2007 in Oberschlesien veranstaltet wurden. Die erste fand vor Studenten der Schlesischen Universität zu Kattowitz unter dem Thema: „Wer bin ich: Pole, Deutscher oder Schlesier? Die Problematik der Identität und des nationalen (ethnischen) Bewusstseins der Bewohner Oberschlesiens“ statt. Sie wurde in drei thematische Blöcke gegliedert, wobei abwechselnd ein Referent aus Deutschland und einer aus Polen zu einem verwandten Thema sprach. Diese umfassten die Integrationsprobleme von Zugezogenen in Oberschlesien sowie von Oberschlesiern im In- und Ausland. Es wurde die Persönlichkeit je eines bedeutenden Priesters von polnischer und deutscher Seite vorgestellt, die sich für den deutsch-polnischen Dialog eingesetzt hatten, und schließlich wurde darüber diskutiert, welche Schwierigkeiten, aber auch welche Chancen des kulturellen Austausches im Grenzgebiet bestehen. Die zweite Tagung wurde in Teschen von der Gemeinschaft für deutsch-polnische Verständigung organisiert. Ihr Thema lautete: „Das kulturelle Bewusstsein und die Tradition im Teschener Schlesien: Beitrag der Grenzbewohner für die deutsch-polnische Verständigung“. Anhand der reichhaltigen kulturellen Geschichte dieser Region wurde auf die Fragestellung eingegangen, wie sich die verschiedenen kulturellen und konfessionellen Einflüsse heute auf die Mentalität der Menschen niedergeschlagen haben. Die Publikation ist zweisprachig. Sie gibt somit die Gelegenheit, die Forschungsergebnisse polnischer (Kirchen-)Historiker, Soziologen und Ethnologen/Ethnographen der deutschen Leserschaft und umgekehrt zu präsentieren. Der Band ist mit angehängtem Tafel- und Bildmaterial bereichert.